more than music, a lifestyle

your name is closely connected with the term “french chillout”. what does it mean? during the time when “le café abstrait”
emerged, there was either experimental stuff from england or the ibiza style. i was doing a mix of it all: ambient, electronica, ibiza and some psychedelic effects. i even included songs by pink floyd or a nice version of “summertime” once in a while. to explain this mixture of styles, i baptised it “french chillout”.

what is the aim of your music mix?
i labelled myself soundpilot because i want to send people on a journey. no matter, whether i choose electronic or classical music, whether i’m in a club or people listen to my compilations. i like them to relax and want to generate subtle emotions.

what made you step out of your living room and into the clubs?
listening to great electronic music at home, i came to the point where i thought: “wow, this music is so great, i have to promote it.” so the idea for “le café abstrait” was born, which i introduced to the owners of the mojo club where “le café abstrait” went on to write history.

in addition to that, you are also an advocate for classical music played in dj-sets at quite unusual venues. how did that happen?
every now and then i slipped a classical piece into my electronic sets, which made me realise that people react very emotionally to this kind of music. slowly, the idea to place classical music into a club context grew and with it came “le classique abstrait”.

not only can one recognise the sound of abstrait easily, but also its unique designs. what’s the reason for that?
being a professional designer, graphics and visuals are very important to me. in my opinion, music and images are closely connected. and i try to find images and designs that communicate the music and vice versa. music gives us the inspiration to dream – and i aim to find natural elements and abstract forms that symbolise those dreams without using clichés or kitsch.

what’s the next destination of the white zeppelin?
i am planning further special events at unique off-locations. apart from new places, abstrait will keep on exploring new music genres and further ways of creative commitment. abstrait is more than music, it is a lifestyle.

(c) marionneau.net - 2005

der flug des weissen zeppelin

Der französische Soundpilot Raphael Marionneau, lässt dieser Tage auf der Compilation "Le Cafe Abstrait Vol.3" (benannt nach der gleichnamigen, monatlichen Clubnach im Hamburger Mojo Club ) abermals den weißen Zeppelin in den Downbeathimmel steigen. Was es damit genau auf sich hat und wo man ihm eventuell noch begegnen könnte, erfahrt ihr hier im Interview.

Der weiße Zeppelin (als Symbol der "Le Café Abstrait- Reihe) hat hierzulande leider nicht nur positive Assoziationen. Die Zerstörung des damaligen Traumes kam plötzlich, das Mojo stirbt dagegen einen langsamen Abriss- Tod. Wie geht es Dir bei dem Gedanken, den Ort aufgeben zu müssen und damit sicher auch eine Art Flug zu beenden?
Als ich den weißen Zeppelin als Symbol gewählt habe, wusste ich um die Geschichte der Hindenburg, aber ich ziehe es vor, Le Café Abstrait mit der Phönix zu vergleichen . Ich bin sehr traurig, dass ich meinen French Chill Out Club im Mojo nach so vielen Jahren aufgeben muss. Es war für mich eine sehr persönliche Sache und es hat viel meiner Zeit und Energy in Anspruch genommen. Aber ich bin trotzdem optimistisch was den Club angeht. Ich denke es wird eine Unterbrechung von einigen Wochen geben und werde einen anderen Ort oder ein anderes Konzept in Hamburg finden.

Wie kam es überhaupt damals zur Wahl des Zeppelins als Symbol? Bist Du selbst einmal mit einem solchen Ding unterwegs gewesen, faszinierten sie Dich seit jeher oder ist es einfach eine andere Form von Ausdruck?
Nein, ich bin nie mit einem Zeppelin geflogen und ich bedaure das sehr. Es war mehr so etwas wie ein Zufall. Ich suchte ein graphisches Element für den ersten Flyer, den ich für Le Café Abstrait gemacht habe. Ich wollte ein Symbol, das Ruhe symbolisierte und majestätisch war. Der Zeppelin hat sich dafür perfekt geeignet: Er ist deutsch und melancholisch und viel ästhetischer als ein Flugzeug. Ich ging damals nicht davon aus, dass ich ihn öfter als einmal benutzen würde. Aber alle liebten den Zeppelin sehr, so dass ich mich entschloss, ihn als Symbol zu behalten.

Du hast eine eigene Sendung auf Klassik-Radio. Wie kam es zu der Zusammenarbeit, die so in dieser Form ja erstmalig in der hiesigen Radiolandschaft stattfindet? Glaubst Du, dass mit dem Medium Internet auch wieder eine Renaissance des Radiohörens möglich ist? Weit weg von jeder Formatierung...?
Ich habe im Mai letzten Jahres Kontakt mit Klassik-Radio aufgenommen, als ich mein „Le Classique Abstrait“- Event im Mojo Club vorbereitet habe. Ich brauchte künstlerische Unterstützung von der Musikredaktion, da ich damals nicht genug Erfahrung mit klassischer Musik hatte. Dort waren sie sehr begeistert von der Idee und nachdem sie auf dem Event im Juni im Mojo-Club waren, haben sie mich angerufen und mich gefragt, ob ich das Konzept "Le Classique Abstrait" im Radio präsentieren möchte. Die vom Klassik-Radio wollten gerne ein modernes Image und irgendetwas Neues für ihr Radio-Format. Ich glaube, dass das Internet-Radio keine Chance hat. Das gleiche gilt für Klassik-Radio im Internet. Internet-Radio schafft aber trotzdem mehr Möglichkeiten für bspw. alternative und progressive Shows mit DJ-Mixen.

Im Juni wird „Le Classique Abstrait“ erscheinen. Was genau wird es damit auf sich haben im Gegensatz zur bisherigen „Abstrait-Reihe“ und wird diese fortgesetzt?
"Le Classique Abstrait" wird ein Album mit 100% klassischer Musik ohne elektronische Elemente sein und es wird wie die "Le Café Abstrait" Compilation gemischt sein . Ich werde versuchen eine andere Art zu erschaffen, klassische Musik zu hören. Etwas frisches und sehr emotionales, ohne berühmte Namen aber mit vielen neuen Künstlern und einigen Klassikern. Ich plane auch , zusammen mit den Leuten von Abstrait Music, dem Label, was wir in diesem Jahr gegründet haben, die "Le Café Abstrait"-Compilations fortzusetzen. Außerdem wird es auch andere neue Compilations geben , wie bspw. die "Le Noël Abstrait".

Du bist verantwortlich nicht nur für die Klänge, sondern auch für die Bilder dazu. Ist es schwierig, zu einer Musik, die eh schon sehr viele Bilder im Kopf entstehen lässt, ein unaufdringliches Artwork zu erstellen?
Musik und Bilder sind einander sehr nahe. Ich versuche die Bilder zu finden, die die Musik kommunizieren und die Musik zu finden die die Bilder kommunizieren. Chill-Out Musik gibt uns die Möglichkeit zu entspannen und zu träumen. Ich brauche nur Bilder zu finden, die das symbolisieren, wie natürliche Elemente oder abstrakte Formen. Das Problem ist, dass das manchmal Klischees sind oder gar Kitsch. Als Graphikdesigner, versuche ich soweit wie möglich Musik durch Bilder zu visualisieren.

(c) noize.cc - 02.05.2002

raphaël marionneau persönlich

Fühlst du dich in Hamburg oder Frankreich zu Hause?
In Hamburg. Die Clubs in Frankreich sind langweilig und teuer. Als ich das erste Mal in Hamburg war, dachte ich, das ist genau das, was ich gesucht habe. Ich mag, dass die Leute kritisch sind und Ahnung haben. Wenn man sie überzeugt, bleiben sie treu. Vor allem in der Woche kommen die Leute, weil sie interessiert sind. Da herrscht nicht so viel sehen und gesehen werden wie am Wochenende, wo viel getrunken wird und man guter Laune sein muss.

Du kannst bestimmt ein französisches Restaurant empfehlen.
Im Ti Breizh kann man wunderbaren Crêpe aus meiner Region essen. Das Café Paris ist ziemlich klischeemäßig, aber es ist ein bisschen wie in Paris.

Du bist bekannt für deinen chillout club „le café abstrait“ im Mojo. Treibst du dich eigentlich auch auf lauten, wilden Partys rum?
Ja! Am Wochenende mach ich gerne Clubtouren mit Freunden. Das kann der neuste Schrei sein oder Läden die schon seit Jahren laufen. Letzten Samstag waren wir im Gum, Echochamber, Glam, Click, Neu!, Lounge und in der Betty Ford Klinik - alles in einer Nacht.

Also mehr abchecken als feiern?
Ich bin neugierig und spüre gerne die Clubkultur. Besonders interessant finde ich, wie unterschiedlich in den Clubs gefeiert wird. Als Clubveranstalter schaue ich, was funktioniert und was nicht. Ich gucke mir die Ideen an und lasse mich davon inspirieren.

Den Mojo Club gibt es leider nicht mehr. Hast du einen neuen Lieblingsplatz?
Die beste Alternative ist die Lounge. Ich mag die Leute, die das machen, die Räumlichkeit und die Gäste. Das Hinterzimmer vom Mandarin ist auch schön. Mandalay und Chinaclub sind zwar gelungene Locations, aber ich mag das Publikum nicht. Für „le café abstrait“ bin ich schon seit einem Jahr auf der Suche nach einer passenden Location, finde aber nichts.

Was macht für dich eine gute Location aus?
Ich brauche Atmosphäre. Mir ist egal, wie hype ein Laden ist. Es kommt auf Raumförmlichkeit, Möbel, sogar auf den Geruch an. Vom Kiez mit Polizeiautos und schreienden Leuten kommen und schöne Musik und angenehme Leute um einen haben. Das ist ein guter Start zum Feiern.

(c) szene magazine - 10.2003